Wie funktionieren systemische Aufstellungen?

Das Wichtigste zuerst: Sie müssen gar nichts Bestimmtes wissen, können, haben oder sein, um an einer systemischen Aufstellung teilnehmen zu können. Es geschieht alles praktisch von selbst.

Das Vorgehen beim Aufstellen gleicht ein bisschen einem Rollenspiel: Man sitzt im Kreis und nutzt den Platz in der Mitte als eine Art Bühne. Die Teilnehmenden tragen ihr persönliches Anliegen vor. Manche wissen bereits, was sie aufstellen wollen; andere erzählen in ihren Worten, was sie bewegt, und der Moderator stellt auf, was gemeinsam erarbeitet werden soll.

Das «wissende Feld»
Stellt jemand zum Beispiel seine Herkunftsfamilie auf, wählt er für jedes Mitglied der Familie einen Stellvertreter und platziert diesen auf der «Bühne», so wie es ihm richtig erscheint. Interessanterweise beginnen diese Stellvertreter nun, so zu fühlen und sich zu so verhalten, wie es die Personen tun würden, für die sie stehen. Diese veränderte Wahrnehmung kommt ganz von selbst. Man muss weder die Personen kennen, die man «spielt», noch braucht man schauspielerisches Talent. Man muss nichts tun, es «tut» von ganz allein. Die Erklärung für dieses Phänomen liegt in der Existenz der morphischen Felder, auch «wissende Felder» genannt, wie sie der Biologe Rupert Sheldrake beschrieben hat.

Jeder tut nur, wozu er bereit ist
Der Leiter oder Moderator der Aufstellung hat die Aufgabe, das zu deuten, was sich zeigt, und möglichst viele Informationen aus dem System heraus zu holen. Das tut er beispielsweise, indem er den Stellvertretern bestimmte Fragen stellt. Er sorgt auch dafür, dass die Teilnehmer mit ihrer Rolle nicht überfordert werden. Es tut jeder nur das, was er tun will und wozu er im Stande ist. Wird man als Stellvertreter in eine Rolle gebeten, kann man jederzeit nein sagen. Es ist auch möglich, dass man nur als Statist teilnimmt, indem man sich aufstellen lässt, selbst jedoch keine Aufstellung macht. Und man kann, wenn man will, auch einfach nur zuschauen.

Es sollen alle zufrieden sein
Durch geschickte Umstellungen im System kann der Moderator herausfinden, wie ein Problem gelöst werden kann. Angestrebt wird die Zufriedenheit aller, die am aufgestellten System beteiligt sind. Tatsächlich erlebt man nicht selten, dass es später, im wirklichen Leben, Personen besser geht, die gar nicht physisch an der Aufstellung dabei waren. Auch dies ist eine Auswirkung des morphischen Felds.

Auch Zuschauen hilft
Es kann vorkommen, dass aus zeitlichen Gründen nicht alle Teilnehmer ihr System aufstellen können. Das heisst aber nicht, dass sie nicht profitieren: Indem sie andere Familienmitglieder vertreten oder auch nur zuschauen, erleben sie fremde Familienbilder mit und gewinnen so tiefere Einsichten in die eigene Geschichte. Immer wieder erzählen Teilnehmer von Aha-Erlebnissen, die sich einstellten, während sie die Dynamik eines fremden Systems verfolgten.

Das Zwiebel-Prinzip
Schon eine einzige Aufstellung kann vieles in Bewegung bringen. Oft funktioniert die Aufarbeitung eines Themas jedoch nach dem Zwiebel-Prinzip: Schicht um Schicht wird abgetragen, bis man zum Kern des Problems kommt. Was man aus einer Aufstellung mitnimmt, wird verarbeitet und verinnerlicht, bevor die nächste Hülle abgestreift werden kann.

Betreuung während und nach der Aufstellung
Unsere Art der systemischen Aufstellung beinhaltet die persönliche Betreuung jedes einzelnen Teilnehmers während und auch nach der Aufstellung. Eine systemische Aufstellung ist befreiend, heilend und erleuchtend, kann aber gleichzeitig auch aufwühlend sein. Manchmal kommen Dinge ans Licht, die einem vielleicht Angst machen oder einfach ungewohnt sind. Wir sind auch nach der Aufstellung für alle Teilnehmer erreichbar, falls Fragen, Anliegen oder Unsicherheiten auftauchen.

Keine Angst – hab Vertrauen!
Manche Menschen machen keine Aufstellung, weil sie fürchten, mit Dingen konfrontiert zu werden, die sie nicht ertragen können. Diese Furcht ist unbegründet: Jeder Mensch, der an einer Aufstellung teilnimmt, wird nur erfahren und erleben, was ihm zuzumuten ist. Es bekommt jeder nur soviel «aufgeladen», wie er zu diesem Zeitpunkt tragen kann. Ans Licht kommt nur, was sich zeigen darf. Diskretion ist selbstverständlich: Was man während einer Aufstellung in der Gruppe erlebt, bleibt in der Gruppe und wird nicht nach aussen getragen.